8. März 2014

Tutorial: Tiefenschärfe (Depth of Field)

Die Tiefenschärfe (Depth of Field) oder aber auch Schärfentiefe beschreibt den Bereich im Raum der akzeptabel scharf abgezeichnet ist. Dieser Bereich erstreckt sich grob 1/3 des scharfen Bereichs vor dem fokussierten Punkt und 2/3 hinter dem Punkt. Wie groß dieser Bereich ist wird durch drei verschieden Punkte festgelegt.
  • Da haben wir zunächst die Entfernung des fokussierten Punktes. Je weiter der Punkt entfernt ist, desto größer ist der Bereich.
  • Die Brennweite spielt auch eine Rolle. Um so kleiner die Brennweite um so größer ist auch die Ebene die scharf dargestellt ist.
  • Als dritte Größe spielt die Blende eine Rolle (Siehe Blende) je kleiner die Blende desto größer ist der Bereich der scharf abgebildet wird. Hier gibt es die Theorie der Lochkamera (Camera obscura) die besagt wenn man ein unendlich kleines Loch hat das perfekt Rund ist, dann ist das komplette Bild scharf dargestellt. Egal wie nah oder entfernt die Objekte auf dem Bild sind.

Mit dieser Theorie kann man nun sein Bild gestalten. Man kann es verwenden um nur ein Objekt im Bild scharf darzustellen. Man spricht dabei vom Freistellen. Wenn man zum Beispiel ein Portrait von einem Menschen macht und dieser steht vor einem Gebüsch kann man mit der richtigen Entfernung, Brennweite und Blende den Menschen scharf darstellen, aber das Gebüsch hinter dem Menschen unscharf gestalten so das nur der Mensch im Vordergrund steht. Der Hintergrund wird dann zu einem Bokeh.

Das Model (Kerstin S) wurde vom Hintergrund freigestellt.
Größere Brennweite, kleine Blende, mittlere Fokusdistanz

Anders sieht es aus in der Landschaftsfotografie. Hier ist eine große Tiefenschärfe erwünscht. Man möchte das die komplette Landschaft scharf dargestellt wird. Um diesen zu erzielen gibt es die sogenannte Hyperfokal Entfernung. Diese Entfernung gibt an wo man mit welcher Blende fokussieren sollte damit man eine unendliche Tiefenschärfe erhält. Alles hinter dieser Hyperfokal Entfernung wird dann genügend scharf dargestellt.

Eine große Tiefenschärfe damit eine ganze Landschaft scharf dargestellt wird.
Kleine Brennweite, hohe Blende, weite Fokusdistanz

Im Internet findet man viele Berechnungstools um den Bereich der scharf dargestellt wird mit den eingestellten Werten an der Kamera zu errechnen, es gibt dazu auch Apps für das Smartphone. Das Problem mit der Kamera ist, dass sie die eigentliche Tiefenschärfe nicht im Sucher oder auf dem Display anzeigt. Das Bild das angezeigt wird ist in der Regel das Bild bei offener Blende. Dieses ist einfach so das möglichst viel Licht durch den Sucher kommt und man ein helles Bild sieht und besser das Szenario das man fotografiert sehen kann.

Unschärfe Vorne und Hinten.
Größere Brennweite, kleine Blende, kleine Fokusdistanz

Wer im Sucher oder im Live-View die echte Tiefenschärfe sehen möchte, der hat bei den meisten Spiegelreflex Kameras die Möglichkeit die eingestellte Blende zu aktivieren. Dazu gibt es meistens im Bereich des Objektives an der Kamera einen Knopf. Sobald man diesen drückt wird die eingestellte Blende aktiviert. Das Bild wird etwas dunkler aber man sieht jetzt die echte Tiefenschärfe die man auch beim Auslösen auf den Bild haben wird.

Macroaufnahme mit Blitz
Größere Brennweite, hohe Blende, sehr kleine Fokusdistanz

Wenn man eine geringe Tiefenschärfe (Shallow DoF) erhalten möchte, wählt man wenn ein nahes Objekt aus und fotografiert es mit einer größeren Brennweite und kleiner Blende. Dabei kann man sehr künstlerisch sein und sich so positionieren (die Kamera einstellen) das nur ein kleiner interessanter Bereich im Bild scharf gestellt ist. Der Rest des Bildes versinkt in Unschärfe.

Macroaufnahme ohne Blitz
Größere Brennweite, mittlere Blende, sehr kleine Fokusdistanz